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Vis-à-vis mit dem Domsgickel

Ein Mainzer Wahrzeichen und seine Geheimnisse
26. April bis 30. Mai 2013

 

Aus über 82,5m Höhe blickt er normalerweise auf das tägliche Treiben unter sich. Doch bald macht der Wetterhahn vom Westturm des Mainzer Doms einen Aus-Flug in die Niederungen der Stadt. Wegen des Austauschs der neuen Turmspitze im Juli verlässt der Domsgickel seinen angestammten Platz und findet ab dem 26. April Quartier im Dommuseum. Hier wird die Gelegenheit genutzt, den Hahn einer nicht nur kosmetischen, sondern auch konservatorisch bedeutenden „Schönheitsoperation“ zu unterziehen: Er wird neu vergoldet.

Seitdem er vor genau 240 Jahren das Licht der Welt erblickte, wurde der Domsgickel nur viermal von der Domspitze genommen. Bei jeder dieser Gelegenheiten hat man ihm bei der Neuaufstellung Dokumente, später auch Fotografien und Segenswünsche, beigefügt. Neben zahlreichen historischen Abbildungen des Hahns sind diese sonst unsichtbaren Zeitzeugen nun erstmals in einer kleinen Ausstellung im Dommuseum zu sehen.

Dem Domsgickel vis-á-vis zu sehen: Eine Chance, die sich echte Meenzer nicht entgehen lassen sollten – denn so schnell wird man dem knapp einen Meter hohen Vogel nicht wieder Aug` in Aug` gegenüberstehen. Das letzte Mal wurde er 1956 von der Spitze genommen, unter anderem, um das im Zweiten Weltkrieg abgefallene Schwanzgefieder wieder zu befestigen. Wann er das nächste Mal wieder Erdboden unter den Füßen haben wird?

Gickels Biographie

1767 Durch einen Blitzeinschlag brennt der Vierungsturm des Doms nieder. Der alte Domsgickel wird vernichtet. Dieser war – ähnlich einem Scherenschnitt – noch flach statt plastisch.

1773 Franz Ignaz Michael Neumann, Erbauer des neuen Westturms, entwirft vermutlich auch den Wetterhahn, der von J.G. Hebel ausgeführt wird.

1799 Der Domsgickel fällt von der Turmspitze, wohl jedoch nicht allzu tief. Sein Schnabel ist eingedrückt, sein rechter Fuß verbogen – es folgt eine„Notoperation“, bei der nur das Notwendigste ausgebessert wird.

Um 1845 im Rahmen der Ausbesserungen am Westturm wird auch der Domsgickel abgenommen und neu vergoldet – diesmal, nach der neuesten technischen Methode, galvanisch statt mit Feuervergoldung.

1889 Installation des Blitzableiters.

1901 Der Domsgickel wird herabgenommen, um das rechte, beschädigte Bein auszubessern, die Drehung auf Kugellagern einzurichten und den Blitzableiter so anzulegen, dass er unabhängig von der Drehung mit dem Leitungskabel in Verbindung steht.

1929 Der Hahn wird erneut „heruntergeschafft“.
Im 2. WK Durch den Einschlag eines Granatsplitters an der tragenden Eisenstange wird auch das Schwanzgefieder des Domsgickels abgerissen und fällt in den Domkreuzgang. Der junge Konrad Schué findet es und bringt es ins Dommuseum, wo es in einer Truhe aufbewahrt wird.

1956 Vater Theodor Schué erhält den Auftrag, dem Domsgickel wieder einen Schweif zu verpassen, das Original wird in der Truhe „wiederentdeckt“. Erneute Vergoldung. Konrad Schué trägt den Gickel, da dieser zu breit für das Gerüst am Turm war, in einem Fahnentuch zur Spitze. (15. Dez.)

Fakten zum Domsgickel

Der Domsgickel erblickte im Jahre 1773 das Licht der Welt.
Seine Breite beträgt 112cm, seine Höhe 95cm.
Er besteht aus getriebenem und vergoldetem Kupferblech.
Aus 82,5m Höhe schaut der Domsgickel auf die Stadt hinunter.

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