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Seliges Lächeln und höllisches Gelächter

27. April bis 16. September 2012

 

Die Ausstellung

Seit Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ ist bekannt, dass das Lachen im Mittelalter eine heikle, ja eine „brandgefährliche“ Sache sein kann.

Tatsächlich galt heftiges, maßloses oder – vor allem den Frauen zugeschriebenes – törichtes Lachen in den monastischen Kreisen des Früh- und Hochmittelalters als verwerflich und wurde oft mit einem höllischen Gelächter gleichgesetzt. Mit der Wiederentdeckung verschiedener Schriften des griechischen Philosophen Aristoteles, der das Lachen als das Wesensmerkmal des Menschen beschrieb, setzte sich im 13. Jahrhundert allmählich eine positivere Beurteilung des Lachens durch, bevor die Passionsfrömmigkeit des Spätmittelalters das Weinen ungleich höher bewerten und das Lachen erneut verurteilen wird.

Seliges Lächeln und höllisches GelächterDas mittelalterliche Lachen war noch nie Thema einer eigenen Ausstellung. Ausgehend von dem herzhaft lachenden Knaben aus dem Zug der Seligen, der um 1239 vom sog. „Naumburger Meister“ gearbeitet wurde, präsentiert das Mainzer Dommuseum im stimmungsvollen Ambiente seiner frühgotischen Gewölbehallen herausragende Werke der mittelalterlichen Kunst, die optisch opulent die hochdifferenzierte Welt des Lachens vorstellen.

Umfassend kommen dabei die mittelalterlichen Autoren selbst zu Wort, die immer wieder diskutierten: Hat Christus gelacht, hat Maria gelächelt?

Seliges Lächeln und höllisches GelächterLachen Heilige und wie drückt sich die Freude der Seligen im Paradies aus? Darf ein mittelalterlicher König lachen und bei welcher Gelegenheit ertönt das höllische Gelächter? Worüber darf der Mensch des Mittelalters überhaupt lachen? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach, bevor am Ende der Präsentation ein lachender Narr und das Lächeln der Verliebten den Weg in das Lachen der modernen Zeiten weisen.

Bildunterschriften
1 Selige, Bamberg, Dom um 1230, 2 Reliquienbüste, kölnisch, um 1340, 3 Mischwesen, ehemals Mainz, Dom, um 1430/40, 4 Bischof mit Mönch, mittelrhein., um 1320

Abbildungsnachweis
1 Marburg, Bildarchiv Foto Marburg, 2, 3 Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, 4 Mainz, Landesmuseum (GDKE RLP/U. Rudischer)

Aufsätze

Marius Reiser (Heidesheim):
Von allen Lebewesen lacht nur der Mensch – Die griechisch-römische LachkulturMarius Reiser (Heidesheim):
Das Lachen in der Bibel und die christliche LachkulturWinfried Wilhelmy (Mainz):
Das leise Lachen des Mittelalters – Lächeln, Lachen und Gelächter in den Schriften
christlicher Gelehrter (300-1500)Ralph N. Köhnen (Bochum):
Das Lachen in den Gesichtern der Literatur – Mittelalter und HumanismusMonika E. Müller (Wolfenbüttel):
Das Lachen ist dem Menschen eigen … – seine Darstellung in der Kunst des Mittelalters

Jörg Widmaier (Tübingen):
Vultus hilaris et risus daemonum – Die Masken von Reims als Zeichensystem des Mittelalters

Heike Frank-Ostarhild (Tübingen):
Weiterlachen – Ein Ausblick in die Neuzeit

Presse

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