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Franz von Kesselstatt

Mainzer Domherr, Diplomat und Dilettant
in bewegter Zeit (1753–1841)
29. August bis 23. November 2014

 

Franz Ludwig Hyazinth Xaver Willibald Maria Reichsgraf von Kesselstatt war Domherr an der Mainzer Kathedrale und – im besten Sinne des Wortes – Dilettant in den Schönen Künsten. Unvergessen und in zahllosen Stichen reproduziert sind die von ihm geschaffenen Aquarelle, die in einzigartiger Weise das Erscheinungsbild des spätbarocken Mainz festhalten. Diese originalen Stadtansichten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Kesselstatts Lebenszeit umfasste mit der Französischen Revolution und der Besetzung von Mainz, der Auflösung des Mainzer Kurstaates, der Zeit Napoleons und der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress eine Epoche tiefgreifender historischer Veränderungenan der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Schloss un Martinsburg

Er entstammte einer bei Trier ansässigen Adelsfamilie, die seit Generationen in kurtrierischen Diensten gestanden hatte. Kesselstatt studierte in Wien und wurde zur Zeit der letzten Mainzer Erzbischöfe Erthal und Dalberg Mitglied des Domkapitels. Nach dessen Auflösung und bei der Neueinrichtung des Bistums Mainz 1802 blieb Kesselstatt ohne offizielles Amt. Er lebte jedoch weiterhin im alten Bischofshof am Höfchen, zu Füßen des Mainzer Domes. Kesselstatt legte eine bemerkenswerte Kunstsammlung sowie eine umfangreiche Bibliothek an und widmete sich ausgiebig dem Zeichnen und Aquarellieren. Dieses Leben als hochherrschaftlicher Privatier wurde nur einmal, 1814/15 durch eine diplomatische Reise nach Wien unterbrochen, wo er die Interessen der Stadt Mainz auf dem Wiener Kongress vertrat.

Die Ausstellung des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums stellt zunächst Kesselstatts Biographie und seine Lebenswelt als Domkapitular in bewegten Zeiten vor. Im Zentrum der Präsentation stehen die von Kesselstatt geschaffenen Veduten des „Goldenen Mainz“, ergänzt durch Ansichten aus der Trierer Gegend und dem Mittelrheintal. Die Deckfarbenmalereien des aus Liebhaberei zur Kunst gekommenen Geistlichen bestechen aus heutiger Sicht als historische Dokumente eines weitgehend untergegangenen oder stark veränderten Stadtbildes, die es dem Betrachter in einzigartiger Weise erlauben, in die vergangene Atmosphäre des alten Kurmainz einzutauchen.

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter, ca. 200 Seiten umfassender Katalog mit Beiträgen zur Mainzer Kunst- und Kulturgeschichte um 1800. Mit dieser Publikation wird erstmals eine umfassende Biographie Franz von Kesselstatts entworfen und seine singuläre Bedeutung als Chronist des alten Mainz herausgearbeitet.