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Altarretabel aus der Michaelskapelle des Mainzer Doms

Altarretabel aus der Michaelskapelle des Mainzer DomsVor 1308
Mainz, Dom, Michaelskapelle
Tempera / Sandstein
H. 138 cm; B. 377 cm
Inv.-Nr. M 00130

Die bemalten Sandsteinplatten dieses hochgotischen Altarretabels wurden 1958 in der östlichen Trennwand der Michaelskapelle entdeckt. Der Altar ist eines der seltenen gut erhaltenen Beispiele früher Steinretabel, auf die die geschnitzten Flügelaltäre der Spätgotik zurückgehen. Vor den gemalten Nischen stand ursprünglich eine steinerne Nischenarchitektur, deren Befestigung in den Steinplatten noch sichtbar ist. Dargestellt ist das Weltgericht. Wie bei der Mittelgruppe des Westlettners des Naumburger Meisters wird Christus von Maria und Johannes d. Täufer als Fürbitter flankiert. Ganz klein knien zu seinen Füßen die beiden Stifter des Altars: die Brüder Simon und Embricho von Schöneck. Embricho folgte 1308 seinem Bruder Simon im Amt des Bischofs von Worms nach. Hier ist er noch im weißen Chorhemd des Mainzer Domkapitulars zu sehen. Der Altar muss also vor 1308 gestiftet worden sein. Als Zeugen des Weltgerichts treten vier Heilige auf: Maria Magdalena, Martin, Nikolaus und Katharina. Über der Mandorla, dem mandelförmigen Heiligenschein, der Christus als Weltenrichter umgibt, schweben Engel mit den Leidenswerkzeugen. Zu erkennen sind die Geißelsäule und eine Geißel in den Händen des einen, der andere hält die Lanze in der einen und die großen Kreuzesnägel (?) in der anderen Hand.