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Der Mainzer Domschatz

Ursulagalt über Jahrhunderte hinweg als einer der kostbarsten des Abendlandes und spiegelte damit die Bedeutung der größten Kirchenprovinz in Mitteleuropa wider. Bedingt durch Kriege und Umbruchzeiten hatte sich davon nur ein kleiner Teil erhalten, der mit dem Ende des alten Erzbistums schließlich verpfändet wurde. Im Verlauf des 19. Jh. erneuerte sich der Domschatz durch die Aufnahme liturgischer Geräte aus Kirchen und Klöstern des Bistums sowie durch Grabfunde, die in Folge umfangreicher Renovierungsarbeiten im Dom vor und nach 1900 erfolgten. Heute besteht der Domschatz wieder aus einer Vielzahl herausragender Goldschmiedearbeiten und wird in der spätgotischen Nikolaus-Kapelle präsentiert.

UrsulaDie neu konzipierte Ausstellung in der Domschatzkammer zeigt die wechselvolle Geschichte des Schatzes. Das aus byzantinischer Seide gefertigte Messgewand von Erzbischof Willigis († 1011) oder der aus der Cranach-Werkstatt stammende Hochaltar der Stiftskirche zu Halle sind nur zwei der bedeutenden Stücke. In der Kapelle des 15. Jh. sind Meisterwerke der Goldschmiedekunst versammelt. Ihre Verwendung in der Liturgie hat ihre Aufstellung vorgegeben: Sie stehen für die Sieben Sakramente und damit für entscheidende Wendepunkte im Leben eines Christen. Zeitgenössische Goldschmiedearbeiten stehen dabei neben romanischen Kruzifixen und Weihwassergefäßen, liturgischen Büchern mit gotischen Prunkdeckeln oder prächtigen barocken Strahlenmonstranzen. Zusammen mit einer Auswahl von Messkelchen und anderem liturgischem Gerät geben sie einen repräsentativen Überblick auf diese wichtige Gattung christlicher Kunst.

Der „alte Domschatz“

Die Mutterkirche des „Heiligen Stuhles von Mainz, besondere Tochter der römischen Kirche“ – so der Ehrentitel des Erzbistums – war ehemals auf das prächtigste mit kostbaren liturgischen Geräten ausgestattet: Goldene Kelche, silberne Rauchfässer oder mit Edelsteinen besetzte Kruzifixe konkurrierten mit der Pracht der bischöflichen Insignien und der Fülle liturgischer Gewänder. Im Laufe der Jahrhunderte kamen ständig neue Objekte hinzu, während anderes verlorenging.
1803 gelangte der Domschatz nach Regensburg, wo Karl Theodor von Dalberg den Mainzer Stuhl bis zu seinem Tod 1817 verwaltete. Der von Napoleon in Mainz eingesetzte Bischof, Joseph Ludwig Colmar (amt. 1802–1818), forderte „seinen“ Schatz von Dalberg zurück. Doch Dalberg zog es vor, den Schatz einschmelzen zu lassen, um mit dem Erlös die vor den Franzosen geflohenen Mainzer Domherren auszuzahlen. Vor ort können heute noch lediglich noch zwei Objekte diesem „alten“ Schatz zugewiesen werden (Nr. 1 und 2).

Der Domschatz heute

Bereits Napoleon und seine Gattin Joséphine bedachten den Mainzer Dom mit großzügigen Stiftungen, doch der eigentliche Grundstock des heutigen Domschatzes besteht aus liturgischen Geräten, die im 19. Jh. von säkularisierten Kirchen und Klöstern übernommen wurden. Hinzu kommen Grabfunde, die in den 1870er und 1910/20er Jahren während der Fundamentierungsarbeiten im Dom gemacht wurden. Auch von Pfarreien des Bistums wurden und werden aus konservatorischen Gründen sowie der Angst vor Diebstahl wertvolle Objekte abgegeben, und immer wieder spenden Geistliche im Ruhestand ihre liturgischen Geräte dem Domschatz.

Der heutige Domschatz ist in zwei Kirchenräumen untergebracht: in der um 1410/20 errichteten Nikolauskapelle sowie deren spätromanischer Sakristei. Unter dem Oberthema der „Sieben Sakramente“ sehen hier die schönsten Objekte des heutigen Domschatzes, von denen einige immer noch bei besonders festlichen Gottesdiensten im Dom eingesetzt werden.

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