
Der um 1250 geborene Dichter Heinrich von Meissen, einer der bedeutendsten Minnesänger der Zeit um 1300, ließ sich um 1312 in Mainz nieder. Nach seinem Tod am 29.11.1318 wurde der Dichter im Kreuzgang des Mainzer Domes beigesetzt - eine besondere Ehre, die sein hohes Ansehen nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch beim Klerus zeigt. Dies dürfte wohl auf Heinrichs berühmte Marienmystik zurückzuführen sein, die in erhabenen Worten die Schönheit und Tugend der Gottesmutter Maria preist. Von diesen hymnischen Dichtungen rührt der auch heute noch geläufige Beiname „Frauenlob” her.
Seine 1774 aus Unkenntnis zerstörte Grabplatte wurde 1783 erneuert und in das zweite Joch des Ostflügels des Kreuzgangerdgeschosses eingelassen, wo sie sich auch heute noch befindet. Sie zeigt, in Form eines gekrönten Frauenkopfes, im oberen Teil die Helmzier von Frauenlobs Wappen. Im unteren Teil ist als Relief ein Trauerzug zu sehen: Frauen tragen den mit drei Kronen geschmückten Sarg des Dichters. Da auch diese Platte nach kurzer Zeit in sehr schlechtem Zustand war, trat der Hofrat und Galeriedirektor Eduard von Heuß an den Münchener Bildhauer Ludwig Michael Schwanthaler (1802 - 1840) heran, das Denkmal zu erneuern. Die Finanzierung wurde durch eine Subskription, einen Zuschuß der Stadt Mainz sowie des Domkapitels gesichert. Im Dezember 1841 war die Gedenkplatte vollendet und wurde 1842 im Kreuzgang des Domes, direkt vor der alten, verwitterten barocken Platte aufgestellt. Es handelt sich um ein Relief aus Carrara-Marmor, eingefaßt von einer ockerfarbigen Sandsteinrahmung, die im Mittelrelief eine trauernde weibliche Gestalt zeigt, die einen Kranz auf den Sarkophag Frauenlobs legt.
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