
1781 wird das Mainzer Altmünsterkloster, eine im 7. Jahrhundert erfolgte Gründung der Hl. Bilhildis, auf Befehl von Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal zugunsten des Universitätsfonds aufgehoben. Der Hochaltar wird abgerissen und verkauft. Erhalten bleiben lediglich das zentrale Altarbild mit der Himmelfahrt Mariä von Franz Anton von Maulbertsch, das heute in St. Quintin hängt, sowie das hier vorzustellende Drehtabernakel, das einst im Zentrum des Baldachinaltares stand, den die Äbtissin Maria Fides Peetz in Auftrag gab und der 1758 vollendet wurde. Viele technische und motivische Details lassen eine Zuschreibung des Möbels an Abraham Roentgen zu. Die wissenschaftliche Diskussion hierzu läuft zur Zeit. (siehe auch Aktuelles/Leihverkehr)
Um eine vertikale Achse im Innern, die die Drehbarkeit des Zylinders ermöglicht, sind drei Nischen gelagert. Die erste Nische gibt in wunderbarer Einlegearbeit den Blick in das Innere einer Barockkirche frei, in die das Letzte Abendmahl verlegt ist. Zwischen den zum Kircheninnern hinauflaufenden Treppen ist ein geschwungenes Postament zu sehen, auf dem ursprünglich einmal ein Ziborium gestanden haben muß. Wie die Gerätschaften der beiden übrigen Nischen ist auch er heute verloren. Die Gloriole der zweiten Nische verweist auf eine Monstranz, die ursprünglich einmal davor, auf dem Podest mit dem Christusmonogramm IHS gestanden haben muß. Die dritte Nische faßt in ihren rankenden Metallapplikationen, die Weintrauben und Weizenähren zeigen, die eucharistischen Gaben zusammen. Analog zu anderen barocken Drehtabernakeln darf auch hier ein Standkreuz vermutet werden.
Drehtabernakel sind eine typische Erscheinung barocker Frömmigkeit. Durch den Drehmechanismus wird nicht nur die Einheit von Wein und Hostie mit dem Opfertod Christi, verkörpert durch das Kruzifix, symbolisiert, es kommt auch quasi zur Epiphanie des Allerheiligsten selbst. Im Glanz von Gold, Silber, Perlmutt und edlen Hölzern muß die Erscheinung der versinnbildlichten Glaubensgeheimnisse einen tiefen Eindruck auf die gläubige Bevölkerung gemacht haben.
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