
Die Madonna wird nach ihrem letzten Standort in der Fuststraße in Mainz „Fuststraßenmadonna” genannt. Von dort wurde die tonnenschwere Steinfigur (das Material ist auf der ausgehöhlten Rückseite gut zu erkennen) im späten 19. Jahrhundert entfernt und später ins Dommuseum verbracht. Die Figur stammt aus der Mainzer Augustinerkirche, die in der Mitte des 13 Jhs. neu erbaut wurde. Dort befand sie sich wahrscheinlich am Mittelpfeiler des Eingangsportals, dem sogenannten „Trumeau”, weshalb man eine solche Figur auch als „Trumeaumadonna” bezeichnet.
Die Skulptur zeichnet sich durch besonderen Liebreiz und Natürlichkeit aus: Maria ist als schöne, junge Frau dargestellt, die eine innige Beziehung zu ihrem kindlich dargestellten Sohn besitzt. Früher war die Madonna durch eine heute verlorene Krone auf dem Kopf als „Maria Regina”, als Himmelskönigin gekennzeichnet; ohne dieses Attribut könnte man, ohne Kenntnis des religiösen Kontextes, die Skulptur für eine profane Darstellung von Mutter und Kind halten.
Die Veränderung des Marientypus in der Zeit des 13. Jahrhunderts hat tiefere religions- und frömmigkeitsgeschichtliche Hintergründe. Anstelle der strengen, abweisenden Madonnen der Romanik zeigt diese gotische Figur die Frau Maria, die Leid, aber auch Freude gleichermaßen erfahren hat. im 13 Jh. glaubten die Menschen das Weltende nahe und fühlten sich aufgrund ihrer Sündhaftigkeit zur Verdammnis verurteilt. Deshalb war es besonders wichtig, sich nicht einer abweisenden, sondern einer menschlichen und verständnisvollen Gottesmutter nähern zu können.
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