
Der sogenannte Priesterstein” aus karolingischer Zeit zeigt - neben einem Kreuz auf der Rückseite auf seiner Vorderseite die Darstellung eines Priesters mit Kreuz und Buch. Dank der jüngsten Forschungen von Frau Dr. Mechthild Schulze-Dörrlamm vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz konnte der Dargestellte identifiziert werden: es handelt sich, wie Bildvergleiche mit Fibel- und Amulettdarstellungen ergeben haben, um den hl. Bonifatius, Bischof von Mainz, der 754 in Friesland das Martyrium erlitt. Wie eine genaue epigraphische Untersuchung der Inschrift auf dem Kreuz der Rückseite ergab, ist der Stein in die Mitte des 9. Jhs zu datieren. Dies deckt sich auch mit der stilistischen Analyse des Rankenwerkes der Schmalseiten. Auftrageber ist nach Schulze-Dörrlamm der Mainzer Erzbischof Hrabanus Maurus, der das Denkmal im Jahre 854 anläßlich des 100sten Todestages des Bonifatius in Auftrag gegeben haben soll. Demnach schmückte das Monument ursprünglich jene Stätte, an der das Leichenwasser des Bonifatius, das bei der Waschung des Leichnams in Mainz aufgefangen wurde, beigesetzt war. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die karolingische Marienkirche.
Die Entdeckung von Schulze-Dörrlamm ist auch deshalb besonders interessant, weil der „Priesterstein” mit dieser Identifizierung als das älteste erhaltene bischöfliche Grabmonument auf deutschem Boden zu gelten hat. Der Teilpublikation in B. Nichtweiß (Hg.) Bonifatius in Mainz (2005) wird eine detaillierte wissenschaftliche Publikation folgen, die für 2006 angekündigt ist. Man darf auf diese historische Sensation gespannt sein!
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